
22.12.08
Knickpyramide
Die Knickpyramide ist die südliche der beiden großen Pyramiden in Dahschur und fällt wegen ihrer durch Bauprobleme verursachten einzigartigen Form unter den ägyptischen Pyramiden aus dem Rahmen.
Erbaut wurde sie um 2650 v. Chr. unter Pharao Snofru, dem ersten König der 4. Dynastie. Diese Pyramide ist das erste Bauwerk, das von Grund auf als echte Pyramide geplant wurde, obwohl Snofru bereits in Meidum mit dem Bau eines Grabmals in Form einer Stufenpyramide beschäftigt war.
Erforschung
Der Pyramidenkomplex wurde erstmals systematisch durch John Shae Perring im September 1839 untersucht. Weitere Untersuchungen fanden unter Fachri statt. Später folgten Forschungen von Vito Maragioglio und Celeste Rinaldi, Josef Dorner und durch das Deutsche Archäologische Institut Kairo unter Leitung von Rainer Stadelmann um 1980.
Bauumstände
Die Knickpyramide wurde von König Snofru im 15. Jahr seiner Regierung als ein zweites Grabmal nach der Fertigstellung seiner Stufenpyramide in Meidum begonnen. Als Standort wählte er eine neue Nekropole beim heutigen Ort Dahschur aus. Der Grund, warum er mit dem Bau einer zweite Pyramide begann, ist nicht bekannt, hat aber möglicherweise mit der Verlegung der Hauptstadt zu tun. Das neue Bauwerk war die erste Pyramide, die von Anfang an als echte Pyramide geplant war, auch wenn es aufgrund von Bauproblemen nicht als solche fertiggestellt werden konnte.
Die Pyramide
Knickpyramide des Snofru
Bauphasen der Knickpyramide
Knickpyramide und ihre Nebenpyramide
Der Standort des Bauwerks mit dem Namen Erscheinung des Snofru − Südpyramide ist ein bis dahin unbenutztes Wüstenplateau, dessen Untergrund aus relativ weichen Tonschieferplatten besteht. Die Pyramide war aus grob behauenen Blöcken aus örtlichem Kalkstein erbaut. Lücken im Mauerwerk waren mit Geröll und Schutt und zum Teil auch mit Gipsmörtel verfüllt.
1. Bauphase
In der ersten Bauphase war eine steile Pyramide von 157 m Basislänge und einem Neigungswinkel von ungefähr 58° (möglicherweise sogar 60°) geplant. Wäre die Pyramide in dieser Form vollendet worden hätte sie eine Höhe von etwa 125 m erreicht. Die Pyramide wurde in dieser Form in der bis dato in den Stufenpyramiden bewährten Technik der geneigten Schichten errichtet. Während diese Technik bei den Stufenpyramiden, bei denen die Substruktur unter der Pyramide lag, eine Verbesserung der Stabilität bewirkte, so führte sie bei dieser Pyramide zu massiven Problemen, da die schrägen Lagen den Druck auf das Pyramideninnere erhöhten und bei den im Pyramidenkorpus liegenden Kammern und Gängen zu Stabilitätsproblemen, Rissen und gar Einsturzgefahr führten. Das Bauwerk wurde in dieser Phase vermutlich nur bis zur Hälfte hochgemauert, als die Stabilitätsprobleme evident wurden. Diese erste Bauphase ist aufgrund des guten Gesamterhaltungsgrads der Pyramide nur indirekt durch Versatzstellen etwa 12,70 m vom Eingang im unteren absteigenden Gang und bei etwa 11,60 im oberen absteigenden Gang nachweisbar.
2. Bauphase
Zur Verbesserung der Stabilität reduzierten die Baumeister den Neigungswinkel auf 54°. Dafür wurde ein etwa 15,70 m breiter Gürtel um die Pyramide der ersten Bauphase errichtet. Damit wuchs die Basislänge auf 188 m. Auch hier wurde wieder mit geneigten Mauerschichten gearbeitet. Wäre der Böschungswinkel von 54° eingehalten worden, hätte sie eine Höhe von 129,4 m und ein Volumen von 1.592.718,453 Kubikmeter erreicht. Die Knickpyramide wäre damit die dritthöchste Pyramide der Welt, würde aber mit dem Volumen immer noch hinter der Roten Pyramide (1.694.000 Kubikmeter) liegen, so dass sie auch dann nur die viertgrößte Pyramide Ägyptens wäre. Da sich die Bauprobleme durch die Maßnahmen jedoch nicht lösen ließen, wurde der Bau bei einer Höhe von 49 m abgebrochen.
3. Bauphase
In der dritten Bauphase wurde der Winkel auf 43° reduziert und das Mauerwerk wurde, ebenso wie in der Roten Pyramide in horizontalen Schichten verlegt, was zu einer Druckentlastung im Inneren führte. Dadurch entstand der einzigartige Knick, der sich bei keiner anderen Pyramide wiederfindet. Durch den geringeren Neigungswinkel des oberen Teils reduzierte sich die Gesamthöhe auf 105 m.
Bauprobleme
Die Pyramide wurde auf einem weichen Tonschieferuntergrund erreichtet, nicht wie die meisten anderen auf einem festen Felsuntergrund. Dies geschah vermutlich, um die Arbeiten an der Substruktur zu erleichtern, da der Tonschiefer einfacher auszuhauen war. Allerdings bot der Untergrund nur ungenügenden Halt für die Steinmassen der Pyramide und es kam zu Absenkungen, die sich durch Risse im Mauerwerk der Pyramide und im Speziellen der Gänge und Kammern zeigten. Kombiniert mit den Problemen, die das nach innen geneigte Mauerwerk verursachte, führte dies offenbar dazu, dass Zweifel an der Stabilität und damit an der Eignung des Bauwerks als Grabmal aufkamen. Es wurde zunächst versucht, Risse in den Wänden der Gänge mit Gipsmörtel zu kaschieren, später wurden Holzbalken als Stützen in den Kammern angebracht. Offenbar genügte die Qualität des Bauwerks nicht für eine Bestattung des Königs, was vermutlich dazu führte, dass er etwas weiter nördlich mit der roten Pyramide ein weiteres Monument in Auftrag gab. Gleichzeitig dazu betrieb er den Umbau der Meidum-Pyramide zu einer echten Pyramide.
Die Substruktur
Die Innenbauten der Knickpyramide sind insofern einmalig, weil hier zwei Zugänge zu zwei separaten Grabkammern angelegt wurden, die miteinander durch einen nachträglich angelegten Gang verbunden sind.
Die beiden Kammersysteme der Knickpyramide
Unteres Kammersystem
Detailansicht der Kammern des unteren Gängesystems
Ein Eingang liegt in der Mitte der Nordseite, etwa 11,80 m über Bodenniveau. Während der ersten Bauphase lag der Eingang bei etwa 6 Höhe. Eine 25° steile, 74 m lange Passage mit einer Höhe von 1,05 m und einer Breite von 1,10 m führt abwärts zu einer Vorkammer, die bereits unterirdisch ist. Die Abmessungen der Vorkammer betragen 5,40 m in der Länge und 12,60 m in der Höhe bei einer dem Gang entsprechenden Breite von nur 1,10 m. Die Decke der Vorkammer wird durch ein Kragsteingewölbe aus mächtigen Kalksteinblöcken gebildet.
Über eine steile und schmale Treppe erreicht man in einer Höhe von 6,50 m die eigentliche untere Hauptkammer. Auch diese besitzt eine Decke aus Kragsteinen und ist dadurch 17,20 m hoch bei einer Grundfläche von 4,96 m × 6,30 m. Es liegen keine Hinweise vor, dass diese Kammer jemals einer Bestattung gedient hat. Auf der südlichen Seite des Kraggewölbes mündet der Verbindungsgang zum oberen Kammersystem in einer Höhe von ungefähr 12 m. Eine kurze Passage mündet in einen vertikalen Schacht, der genau auf der Pyramidenachse liegt. Dieser Schacht wird zumeist als „Kamin“ bezeichnet. Der Schacht schleißt oben mit einem kleinen Kraggewölbe ab. Einige Meter über dem kurzen Zugang zum Schacht befindet sich ebenfalls zur Druckentlastung ein kleines Kraggewölbe, das zur unteren Hauptkammer offen ist.
Kraggewölbe der unteren Vorkammer
Leiter zum Durchgang zur unteren Hauptkammer
Blick von der unteren Hauptkammer in die Vorkammer
Hauptkammer des unteren Kammersystems. Das Gerüst und die Leitern sind modern.
Oberes Kammersystem
Detailansicht der Grabkammer des oberen Gangsystems und des Verbindungsgangs zur unteren Hauptkammer
In 33,32 m Höhe auf der Westseite liegt der zweite Eingang. Eine 67,66 m lange Passage führt abwärts. Am Ende des abfallenden Gangs ist eine kleine Grube, die möglicherweise als Schutz vor eindringendem Regenwasser während des Baus diente. Auf dem letzten Teilstück vor der oberen Grabkammer ist der nun waagerechte, etwa 20 m lange Gang mit zwei Sperren versehen, von denen die innere nie geschlossen wurde. Die Verschlusssysteme sind einzigartig, da sie nicht aus den üblichen Fallsteinsperren, sondern aus Kammern mit einer schrägen Ebene bestanden, auf der der Sperrstein in Position rutschen konnte. Zwischen den beiden Sperrsystemen befindet sich ein Schacht in der vollen Breite des Gangs. Die Sperrsteinkammern sind wie alle Kammern mit Kraggewölben versehen
Diese Grabkammer misst 7,97 m × 5,26 m und ist durch das von allen Seiten gekragte Gewölbe 16,50 m hoch. Die obere Kammer ist offenbar nie fertiggestellt worden, da das Mauerwerk roh belassen und nicht geglättet wurde. Risse in den Kammer- und Gangwänden waren mit Gips kaschiert. Einer der in der Grabkammer vermauerten Blöcke wies ein Bauarbeitergrafiken mit dem Namen des Snofru auf, womit die Pyramide eindeutig zugeordnet werden konnte.
Ein Sarkophag wurde nicht gefunden, jedoch war der untere Teil der Kammer ausgemauert und es wurden Reste von Zedernbalken gefunden. Vito Maragioglio und Celeste Rinaldi vertraten die Ansicht, dass die Ausmauerung entweder einen Sockel für einen Sarg darstellte oder als Sarkophagersatz für einen hölzernen Sarg dienen sollte. Nach Rainer Stadelmann können sowohl das Mauerwerk als auch die Balken der Vorbereitung der Glättung des Kraggewölbes oder zur Abstützung der Kammer gegen einen drohenden Einsturz gedient haben.
Nach Stadelmann könnte der westliche Eingang während des Baus eingeplant worden sein, da man möglicherweise bereits zu diesem Zeitpunkt mit Senkungsproblemen im unteren Kammersystem zu kämpfen hatte. Somit hätte der „Kamin“ den ursprünglich geplanten Zugang zur Grabkammer darstellen sollen.
Der Gang des oberen Kammersystems war bis in die 1950er Jahre verschlossen und wurde erst bei der damaligen Erforschung geöffnet.
Verschlusssystem des oberen Kammersystems im offenen Zustand (nach Perring)
Verschlusssystem des oberen Kammersystems im geschlossenen Zustand (nach Perring)
Verbindungsgang
Beide Grabkammern sind durch einen 0,74 m breiten und 0,92 hohen, leicht gewundenen, abfallenden Tunnel verbunden, der zwischen den Sperren vor der oberen Kammer begann und hoch im Kragsteingewölbe der unteren Kammer endete. Dieser Gang wurde erst nachträglich in das Mauerwerk gehauen und zeugt von einer genauen Kenntnis der Lage der Kammern. Vermutlich sollte er das obere Gangsystem mit dem Kaminschacht des unteren Systems verbinden. Dieser Schacht wurde offenbar knapp verfehlt und der Gang endete im oberen Kraggewölbe der unteren Hauptkammer.
Der Pyramidenkomplex
Elemente des Pyramidenkomplexes
Plan des Pyramidenkomplexes (Norden ist unten)
Knickpyramide
Nebenpyramide
Pyramidentempel
Aufweg
Taltempel
Die gesamte Pyramide ist von einer Kalksteinmauer mit quadratischem Grundriß und 298,55 m Seitenlänge umschlossen, die in einer Ausbuchtung auch eine kleinere Nebenpyramide mit umschloss.
Pyramidentempel
Vor der Ostseite der Knickpyramide, an der Stelle wo sich im Normalfall ein ausgedehnter Totentempel befindet, befand sich eine kleine Kapelle mit zwei 9 m hohen Kalksteinmonolithen mit den Namen des Königs. Der Rest einer dieser Stelen befindet sich heute im Garten des ägyptischen Museums in Kairo. Da die Pyramide wahrscheinlich nicht zur Bestattung des Königs diente, war der vollständige Totentempel hier nicht notwendig, so dass nach der Fertigstellung der Pyramide als Kultpyramide nur eine kleine Kultstätte erreichtet wurde. Der für den Totenkult notwendige Tempel befand sich an der Roten Pyramide.
Im Laufe der Zeit wurde die kleine Kapelle mit Lehmziegelmauern umgeben und zu einem kleinen Tempel ausgebaut. Aus dem Mittleren Reich sind Renovierungsarbeiten an dem Tempel nachgewiesen, was ein Fortdauern des Snofru-Kults über lange Zeit hinweg bezeugt.
Überreste des Pyramidentempels auf der Ostseite
Stele aus der Kapelle der der Knickpyramide mit dem Namen des Snofru (heute im ägyptischen Museum, Kairo)
Rekonstruktion der Stelen und der Kapelle (Gaston Maspero, 1930)
Nebenpyramide
Kultpyramide auf der Südseite
Auf der Südseite des Pyramidenkomplexes befindet sich eine Nebenpyramide von 53 m Basislänge und einer Höhe von 32 m. Die Seitenneigung beträgt wie im oberen Teil der Knickpyramide 43°. Genau wie dort wurde Mauerwerk in horizontalen Lagen verwendet, was darauf hindeutet, dass die Nebenpyramide in der letzten Bauphase oder danach errichtet wurde. Im Gegensatz zur Hauptpyramide ist die Verkleidung aus Tura-Kalkstein weitgehend zerstört. Dadurch ist das Gesamtbild der Nebenpyramide sehr durch Erosion geprägt.
Sie ist die größte Nebenpyramide aller ägyptischen Pyramidenkomplexe und außerdem die einzige, die eine komplexe Substruktur besitzt.
Die Nebenpyramide wurde von Herbert Ricke ursprünglich für das Grab der Königin Hetepheres I. gehalten. Die heutige Pyramidenforschung erkennt in diesem Bau eine Kultpyramide (Rainer Stadelmann), zumal der gesamte Bezirk der Knickpyramide als Stätte für den Königskult umfunktioniert wurde und es keine Hinweise auf eine Bestattung gibt.
Substruktur der Nebenpyramide
Substruktur der Kultpyramide
Von einem Eingang in etwa 2 m Höhe an der Ostseite der Nebenpyramide verläuft ein Absteigender Gang etwa 10 m in den Untergrund. Von dort führt eine aufsteigende Galerie zur Hauptkammer. Diese aufsteigende Galerie stellt das direkte Vorbild der großen Galerie der Cheops-Pyramide en miniature dar.
Die aufsteigende Galerie führt zu einer Kammer mit einer Bodenhöhe etwa 7 m über dem Umgebungsniveau, die damit als einzige Kammer einer Nebenpyramide im Pyramidenkorpus selbst liegt. Die Kammer ist ebenso wie die der Hauptpyramide mit einem Kraggewölbe versehen. Bei einer Länge von nur 1,6 m ist eine Bestattung in dieser ausgeschlossen, so dass die Nebenpyramide sicher als Kultpyramide identifiziert werden kann.
Opferstätte der Nebenpyramide
Auf der Ostseite der Kultpyramide befand sich eine kleine Opferstätte. Diese besaß einen Alabaster-Altar und war von zwei je 5 m hohen monolithischen Steinstelen flankiert.
Aufweg
Ein über 700 m langer Aufweg führt vom Pyramidenbezirk zum Taltempel. Der Aufweg war mit Wänden aus Kalkstein eingefasst. Eine Überdachung des Aufwegs konnte nicht festgestellt werden.
Taltempel
Der Taltempel selbst war ein kleiner Rechteckbau, der mit einer Mauer umschlossen war. Der Eingang zum Tempelareal befand sich auf der südlichen Ostseite. Auf der gegenüberliegenden Westseite mündete der Aufweg zur Pyramide. Der eigentliche Tempeleingang war in der Südmauer. Von dort gelangte man in eine Vorkammer, von wo auf jeder Seite zwei Magazinkammern erreichbar waren. Durch die Vorkammer erreichte man den Innenhof. An der nördlichen Wand des Hofs befanden sich sechs Nischen mit Statuen des Pharaos, davor zwei Reihen von je fünf rechteckigen Pfeilern. Die Wände des Hofes waren mit Reliefs verziert, mit Darstellungen der Landgüter des Königs, die ihm opfern. Es ist belegt, dass hier der Kult für und um König Snofru noch im Mittleren Reich vollzogen wurde. Im Zwischenraum zwischen Tempel und Mauer errichteten Priester des Snofru-Kults bis ins Mittlere Reich eine Reihe von Behausungen.
Bedeutung
Mit dieser Pyramide vollzog sich ein Wandel in der Konzeption altägyptischer Monumentalgrabbauten von der Stufenpyramide zur echten Pyramide. Jedoch zeigten die auftretenden Probleme, dass die Bauweise der bisherigen bauten nicht problemlos auf den neuen Bautentyp übertragbar war. Anhand der Konzeptionsänderungen, die die Knickpyramide im Laufe ihrer drei Bauphasen erfahren hatte, lässt sich erkennen, wie die damaligen Baumeister auf die auftretenden Probleme reagierten und so experimentell die Bautechniken entwickelten, die für die nachfolgenden Riesenpyramiden notwendig waren.
Ungeklärte Fragen
Bislang ist nicht eindeutig geklärt, welche der drei Pyramiden Snofrus tatsächlich für dessen Bestattung verwendet wurde, jedoch gehen die meisten Ägyptologen davon aus, dass die Rote Pyramide die letzte Ruhestätte war, da diese einen vollständigen Totentempel aufwies. Ahmad Fachri geht hingegen davon aus, dass Snofru in der oberen Kammer der Knickpyramide bestattet wurde.
Ebenso fehlt bislang eine zufriedenstellende Erklärung für die beiden Gangsysteme der Knickpyramide, die in keiner anderen Pyramide wiederholt wurde.
Rote Pyramide
Die Rote Pyramide, auch bekannt als Nord-Pyramide ist eine Pyramide in Dahschur. Den Namen verdankt sie der rötlichen Färbung des Gesteins, aus dem sie unter Pharao Snofru (etwa von 2670 bis 2620 v. Chr.) während der 4. Dynastie erbaut wurde. Sie ist mit einer Höhe von etwa 104 Metern die dritthöchste der altägyptischen Pyramiden.
Erforschung
Pietro della Valle lieferte bei seinem Besuch der Pyramide im Winter 1615 - 1616 die erste Beschreibung der ersten beiden Kammern der Pyramide. Edward Melton besuchte die rote Pyramide im Jahre 1660, ebenso der böhmische Franziskanermissionar Václav Remedius Prutký im 18. Jahrhundert. Robert Wood, James Dawkins und Giovanni Battista Borra führten im Jahre 1750 eine erste Vermessung durch, konnten jedoch nicht die Grabkammer erreichen, da sie über keine passende Leiter verfügten.
Am Beginn der archäologischen Untersuchungen der Roten Pyramide standen Untersuchungen von John Shae Perring im Jahre 1839 und der Lepsius-Expedition im Jahre 1843. Lepsius katalogisierte die Pyramide unter der Nummer XLIX in seiner Pyramidenliste. Diesen folgten Untersuchungen durch Flinders Petrie und George Reisner. Ab 1944 folgten ausführlichere Forschungen durch Abdulsalam Hussein und ab 1951 durch Ahmad Fachri. Jedoch wurden diese Arbeiten nicht publiziert. Eine gründliche, systematische Untersuchung erfolgte aber erst 1982 durch Rainer Stadelmann.
Der Pyramiden-Komplex lag bis Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts in militärischem Sperrgebiet und ist gegenwärtig Ort mehrerer Ausgrabungen. In dem Bezirk wurden eine Arbeitersiedlung der Erbauer und eine Nekropole nachgewiesen.
Zuweisung der Pyramide
Statue des SnofruDie ursprüngliche Zuordnung zu Snofru ergab sich daraus, dass die nahe gelegene Nekropole nur Gräber von Beamten Snofrus umfasst. Des Weiteren bezieht sich ein Dekret Königs Pepi I., das im Taltempel gefunden wurde, auf die Pyramidenstadt Snofrus. Im Bereich des Totentempels wurden Verkleidungssteine gefunden, die Inschriften tragen, darunter auch den Königsnamen. Ebenso fand sich dort ein Kalksteinblock mit Hieroglyphenresten, die sich zum Horusnamen Snofrus, Neb-maat (nb m3ˁ.t), ergänzen lassen.
Bauumstände der Pyramide
Der Bau dieser Pyramide begann im 29. oder 30. Jahr der Regierungszeit des Snofru (um 2640), was durch eine hieratische Inschrift auf einem der Fundamentblöcke belegt ist, die auf das Jahr der 15. zweijährlich stattfindenden Viehzählung verweist. Sie war damit die dritte Großpyramide, die von Snofru gebaut wurde. Zum Zeitpunkt des Baubeginns war die Stufenpyramide in Meidum als vollwertige Pyramide fertiggestellt. Ebenso war auch in Dahschur bereits die Knickpyramide weitgehend vollendet, jedoch zeigten sich in dieser gravierende Baumängel, die die Verwendung als Königsgrab nicht wünschenswert erscheinen ließen.
Offenbar wurde der Bau parallel zum Umbau der Stufenpyramide in Meidum betrieben. Die Probleme, die beim Bau der Knickpyramide auftraten, wurden beim Bau berücksichtigt. So wurde ein Bauplatz mit stabilerem Untergrund gewählt und Neigungswinkel und Mauertechniken angepasst.
Die Pyramide
Die Pyramide wurde auf einem Fundament aus mehreren Lagen hochwertigen Tura-Kalksteins errichtet. Der Kern der Pyramide bestand aus rötlichen Kalksteinblöcken, die aus Steinbrüchen direkt in der Umgebung der Pyramide gewonnen wurden. Von der Farbe dieses Materials rührt der Name der roten Pyramide her. Auf verschiedenen Blöcken des Kernmaterials wurden Inschriften mit Datierungen gefunden.
Aufbau der PyramideEin Fundamentblock ist auf das „Jahr der 15. Viehzählung“ datiert, die jüngste gefundene Inschrift auf das „Jahr der 24. Viehzählung“. Ausgehend von den gefundenen Angaben kann man unter der Voraussetzung, dass die Viehzählung zweijährig statt fand, schließen, daß innerhalb von zwei Jahren etwa ein Fünftel der Pyramide errichtet wurde. Allerdings ist der Zwei-Jahres-Zyklus der Viehzählung nicht unumstritten.
Die Pyramide wurde mit den verbesserten Techniken errichtet, die bereits beim oberen Teil der Knickpyramide zur Anwendung kamen. Die Steinlagen waren nun von Anfang an horizontal ausgeführt, so dass der Druck im Pyramideninneren nicht verstärkt wurde, was zu Rissen und Einsturzgefahren für die Kammern in Inneren der Knickpyramide geführt hatte. Auch wurde nun der Neigungswinkel der Seitenflächen wie im oberen Teil der Knickpyramide auf 43° 22´ begrenzt, was der flachste Neigungswinkel bei den ägyptischen Pyramiden ist. Da sie mit 109,5 m eine Höhe vergleichbar der Knickpyramide erreichen sollte, wurde die Basislänge auf 220 m deutlich vergrößert.
Das im Schutt gefundene, zerstörte, aber restaurierbare Pyramidion ist das einzige, das von einer Pyramide des alten Reichs bekannt ist. Es besteht wie die Verkleidung der Pyramide aus feinem Tura-Kalkstein. Es finden sich darauf keine Inschriften und auch keine Hinweise auf die Befestigung von Metallblechen.
Die Rote Pyramide
Restaurierte Teile der Verkleidung
Restauriertes Pyramidion
Eingang zur Pyramide
Die Substruktur
Anordnung der KammernDie Gänge und Kammern der Roten Pyramide liegen komplett oberhalb der Pyramidengrundfläche im gemauerten Kern. Sie ist die erste und auch einzige Pyramide, die keinerlei unterirdische Gänge besitzt.
Der Eingang zur Pyramide befindet sich auf der Nordwand in einer Höhe von 28 m und ist 4 m von der Mittelachse nach Osten verschoben. Der absteigende Gang führt 62,63 m in einem Winkel von 27° bis zur Pyramidengrundfläche hinunter. Dieser Gang ist nur 0,91 m hoch und 1,23 m breit. Am Fuße des absteigenden Gangs befindet sich ein kurzer Schacht, der vermutlich das Eindringen von Regenwasser in die Kammern während des Baus verhindern sollte. Von dort führt eine kurze horizontale Passage in die erste Vorkammer. Fallsteinsperren sind nicht vorhanden.
Die Vorkammern haben beide identische Ausmaße. Bei einer Länge von 8,36 m und einer Breite von 3,65 m erhebt sich die als elfstufiges Kraggewölbe ausgeführte Decke bis in eine Höhe von 12,31 m. In Ausführung und optischer Wirkung handelt es sich um Vorläufer der großen Galerie der Cheops-Pyramide. Von der südwestlichen Ecke der ersten Vorkammer führt ein 3 m langer Gang zur nordöstlichen Ecke der zweiten Vorkammer, die sich exakt in der Pyramidenmitte befindet. In 7,6 m Höhe befindet sich auf der Südseite der Kammer der Eingang zu einem weiteren, 7 m langen Gang, der zur eigentlichen Grabkammer führt. Die Holztreppe in der zweiten Vorkammer ist eine moderne Konstruktion um Besuchern das Betreten der Grabkammer zu ermöglichen.
Die eigentliche Grabkammer hat die Maße 8,55 m × 4,18 m bei einer Höhe von 14,67 m. Sie ist im Gegensatz zu den ersten beiden Kammern in ostwestlicher Richtung orientiert, was eine Neuerung im Pyramidenbau darstellte. Überreste eines Sarkophags sind nicht gefunden worden. Die Kammer selbst ist von Grabräubern stark beschädigt worden, die mehrere Lagen der Bodensteine heraus rissen. Decke und Wände sind Rußgeschwärzt, was von den Fackeln und einer eventuellen Verbrennung des hölzernen Sarkophags durch die Grabräuber herrühren kann.
Absteigender Gang
Verkragte Deckenkonstruktion der ersten Vorkammer
Durchgang von der ersten zur zweiten Vorkammer
Beschädigter Boden der Grabkammer
Der Pyramidenkomplex
Im Gegensatz zu den anderen Pyramiden der 4. Dynastie hat die Rote Pyramide keine Kultpyramide. Möglicherweise wurde dieses Element ausgelassen, da die nahegelegene Knickpyramide deren Funktion übernommen hatte.
Überreste des Aufwegs sind bislang noch nicht gefunden worden, obwohl ein solcher zwischen Tal- und Totentempel zumindest eingeplant war. Möglicherweise ist dieser jedoch nicht mehr fertiggestellt oder gar begonnen worden.
Südöstlich der Anlage wurde ein größerer Ziegelbau gefunden, der offenbar Werkstätten beherbergte.
Die Umfassungsmauer
Bei Grabungen von Stadelmann wurden an der Nordostecke der Pyramide die Überreste eines Lehmziegelbaus gefunden, der direkt an eine ebenfalls aus Lehmziegeln bestehende Mauer grenzte. Der genaue Zweck des Gebäudes ließ sich bislang nicht ermitteln, aber ein Zusammenhang mit dem Herrscherkult ist naheliegend.
Weitere Sondierungsgrabungen konnten die Umfassungsmauer rund um die Pyramide nachweisen. Teilweise besaß die Mauer eine Kalksteinverkleidung. Der Abstand der Mauer zur Pyramide ist an den vier Seiten unterschiedlich: 15 - 16 m an der Nord- und Südseite, 19 m an der Westseite und 26 m an der Ostseite. Im Gegensatz zur Mauer der Knickpyramide ist sie nicht quadratisch, sondern leicht ostwestlich ausgerichtet.
Stadelmann deutet die Tatsache, dass die Mauer aus Lehmziegeln und nicht aus Kalkstein wie bei der Knickpyramide gebaut wurde, als Hinweis, dass sie offenbar in Eile gebaut wurde, um den Komplex fertig zu stellen. Das Nordost-Gebäude war offenbar eine spätere Ergänzung, da die Wände nicht mit der Umfassungsmauer verfugt waren.
Die Rote Pyramide, auch bekannt als Nord-Pyramide ist eine Pyramide in Dahschur. Den Namen verdankt sie der rötlichen Färbung des Gesteins, aus dem sie unter Pharao Snofru (etwa von 2670 bis 2620 v. Chr.) während der 4. Dynastie erbaut wurde. Sie ist mit einer Höhe von etwa 104 Metern die dritthöchste der altägyptischen Pyramiden.
Erforschung
Pietro della Valle lieferte bei seinem Besuch der Pyramide im Winter 1615 - 1616 die erste Beschreibung der ersten beiden Kammern der Pyramide. Edward Melton besuchte die rote Pyramide im Jahre 1660, ebenso der böhmische Franziskanermissionar Václav Remedius Prutký im 18. Jahrhundert. Robert Wood, James Dawkins und Giovanni Battista Borra führten im Jahre 1750 eine erste Vermessung durch, konnten jedoch nicht die Grabkammer erreichen, da sie über keine passende Leiter verfügten.
Am Beginn der archäologischen Untersuchungen der Roten Pyramide standen Untersuchungen von John Shae Perring im Jahre 1839 und der Lepsius-Expedition im Jahre 1843. Lepsius katalogisierte die Pyramide unter der Nummer XLIX in seiner Pyramidenliste. Diesen folgten Untersuchungen durch Flinders Petrie und George Reisner. Ab 1944 folgten ausführlichere Forschungen durch Abdulsalam Hussein und ab 1951 durch Ahmad Fachri. Jedoch wurden diese Arbeiten nicht publiziert. Eine gründliche, systematische Untersuchung erfolgte aber erst 1982 durch Rainer Stadelmann.
Der Pyramiden-Komplex lag bis Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts in militärischem Sperrgebiet und ist gegenwärtig Ort mehrerer Ausgrabungen. In dem Bezirk wurden eine Arbeitersiedlung der Erbauer und eine Nekropole nachgewiesen.
Zuweisung der Pyramide
Statue des SnofruDie ursprüngliche Zuordnung zu Snofru ergab sich daraus, dass die nahe gelegene Nekropole nur Gräber von Beamten Snofrus umfasst. Des Weiteren bezieht sich ein Dekret Königs Pepi I., das im Taltempel gefunden wurde, auf die Pyramidenstadt Snofrus. Im Bereich des Totentempels wurden Verkleidungssteine gefunden, die Inschriften tragen, darunter auch den Königsnamen. Ebenso fand sich dort ein Kalksteinblock mit Hieroglyphenresten, die sich zum Horusnamen Snofrus, Neb-maat (nb m3ˁ.t), ergänzen lassen.
Bauumstände der Pyramide
Der Bau dieser Pyramide begann im 29. oder 30. Jahr der Regierungszeit des Snofru (um 2640), was durch eine hieratische Inschrift auf einem der Fundamentblöcke belegt ist, die auf das Jahr der 15. zweijährlich stattfindenden Viehzählung verweist. Sie war damit die dritte Großpyramide, die von Snofru gebaut wurde. Zum Zeitpunkt des Baubeginns war die Stufenpyramide in Meidum als vollwertige Pyramide fertiggestellt. Ebenso war auch in Dahschur bereits die Knickpyramide weitgehend vollendet, jedoch zeigten sich in dieser gravierende Baumängel, die die Verwendung als Königsgrab nicht wünschenswert erscheinen ließen.
Offenbar wurde der Bau parallel zum Umbau der Stufenpyramide in Meidum betrieben. Die Probleme, die beim Bau der Knickpyramide auftraten, wurden beim Bau berücksichtigt. So wurde ein Bauplatz mit stabilerem Untergrund gewählt und Neigungswinkel und Mauertechniken angepasst.
Die Pyramide
Die Pyramide wurde auf einem Fundament aus mehreren Lagen hochwertigen Tura-Kalksteins errichtet. Der Kern der Pyramide bestand aus rötlichen Kalksteinblöcken, die aus Steinbrüchen direkt in der Umgebung der Pyramide gewonnen wurden. Von der Farbe dieses Materials rührt der Name der roten Pyramide her. Auf verschiedenen Blöcken des Kernmaterials wurden Inschriften mit Datierungen gefunden.
Aufbau der PyramideEin Fundamentblock ist auf das „Jahr der 15. Viehzählung“ datiert, die jüngste gefundene Inschrift auf das „Jahr der 24. Viehzählung“. Ausgehend von den gefundenen Angaben kann man unter der Voraussetzung, dass die Viehzählung zweijährig statt fand, schließen, daß innerhalb von zwei Jahren etwa ein Fünftel der Pyramide errichtet wurde. Allerdings ist der Zwei-Jahres-Zyklus der Viehzählung nicht unumstritten.
Die Pyramide wurde mit den verbesserten Techniken errichtet, die bereits beim oberen Teil der Knickpyramide zur Anwendung kamen. Die Steinlagen waren nun von Anfang an horizontal ausgeführt, so dass der Druck im Pyramideninneren nicht verstärkt wurde, was zu Rissen und Einsturzgefahren für die Kammern in Inneren der Knickpyramide geführt hatte. Auch wurde nun der Neigungswinkel der Seitenflächen wie im oberen Teil der Knickpyramide auf 43° 22´ begrenzt, was der flachste Neigungswinkel bei den ägyptischen Pyramiden ist. Da sie mit 109,5 m eine Höhe vergleichbar der Knickpyramide erreichen sollte, wurde die Basislänge auf 220 m deutlich vergrößert.
Das im Schutt gefundene, zerstörte, aber restaurierbare Pyramidion ist das einzige, das von einer Pyramide des alten Reichs bekannt ist. Es besteht wie die Verkleidung der Pyramide aus feinem Tura-Kalkstein. Es finden sich darauf keine Inschriften und auch keine Hinweise auf die Befestigung von Metallblechen.
Die Rote Pyramide
Restaurierte Teile der Verkleidung
Restauriertes Pyramidion
Eingang zur Pyramide
Die Substruktur
Anordnung der KammernDie Gänge und Kammern der Roten Pyramide liegen komplett oberhalb der Pyramidengrundfläche im gemauerten Kern. Sie ist die erste und auch einzige Pyramide, die keinerlei unterirdische Gänge besitzt.
Der Eingang zur Pyramide befindet sich auf der Nordwand in einer Höhe von 28 m und ist 4 m von der Mittelachse nach Osten verschoben. Der absteigende Gang führt 62,63 m in einem Winkel von 27° bis zur Pyramidengrundfläche hinunter. Dieser Gang ist nur 0,91 m hoch und 1,23 m breit. Am Fuße des absteigenden Gangs befindet sich ein kurzer Schacht, der vermutlich das Eindringen von Regenwasser in die Kammern während des Baus verhindern sollte. Von dort führt eine kurze horizontale Passage in die erste Vorkammer. Fallsteinsperren sind nicht vorhanden.
Die Vorkammern haben beide identische Ausmaße. Bei einer Länge von 8,36 m und einer Breite von 3,65 m erhebt sich die als elfstufiges Kraggewölbe ausgeführte Decke bis in eine Höhe von 12,31 m. In Ausführung und optischer Wirkung handelt es sich um Vorläufer der großen Galerie der Cheops-Pyramide. Von der südwestlichen Ecke der ersten Vorkammer führt ein 3 m langer Gang zur nordöstlichen Ecke der zweiten Vorkammer, die sich exakt in der Pyramidenmitte befindet. In 7,6 m Höhe befindet sich auf der Südseite der Kammer der Eingang zu einem weiteren, 7 m langen Gang, der zur eigentlichen Grabkammer führt. Die Holztreppe in der zweiten Vorkammer ist eine moderne Konstruktion um Besuchern das Betreten der Grabkammer zu ermöglichen.
Die eigentliche Grabkammer hat die Maße 8,55 m × 4,18 m bei einer Höhe von 14,67 m. Sie ist im Gegensatz zu den ersten beiden Kammern in ostwestlicher Richtung orientiert, was eine Neuerung im Pyramidenbau darstellte. Überreste eines Sarkophags sind nicht gefunden worden. Die Kammer selbst ist von Grabräubern stark beschädigt worden, die mehrere Lagen der Bodensteine heraus rissen. Decke und Wände sind Rußgeschwärzt, was von den Fackeln und einer eventuellen Verbrennung des hölzernen Sarkophags durch die Grabräuber herrühren kann.
Absteigender Gang
Verkragte Deckenkonstruktion der ersten Vorkammer
Durchgang von der ersten zur zweiten Vorkammer
Beschädigter Boden der Grabkammer
Der Pyramidenkomplex
Im Gegensatz zu den anderen Pyramiden der 4. Dynastie hat die Rote Pyramide keine Kultpyramide. Möglicherweise wurde dieses Element ausgelassen, da die nahegelegene Knickpyramide deren Funktion übernommen hatte.
Überreste des Aufwegs sind bislang noch nicht gefunden worden, obwohl ein solcher zwischen Tal- und Totentempel zumindest eingeplant war. Möglicherweise ist dieser jedoch nicht mehr fertiggestellt oder gar begonnen worden.
Südöstlich der Anlage wurde ein größerer Ziegelbau gefunden, der offenbar Werkstätten beherbergte.
Die Umfassungsmauer
Bei Grabungen von Stadelmann wurden an der Nordostecke der Pyramide die Überreste eines Lehmziegelbaus gefunden, der direkt an eine ebenfalls aus Lehmziegeln bestehende Mauer grenzte. Der genaue Zweck des Gebäudes ließ sich bislang nicht ermitteln, aber ein Zusammenhang mit dem Herrscherkult ist naheliegend.
Weitere Sondierungsgrabungen konnten die Umfassungsmauer rund um die Pyramide nachweisen. Teilweise besaß die Mauer eine Kalksteinverkleidung. Der Abstand der Mauer zur Pyramide ist an den vier Seiten unterschiedlich: 15 - 16 m an der Nord- und Südseite, 19 m an der Westseite und 26 m an der Ostseite. Im Gegensatz zur Mauer der Knickpyramide ist sie nicht quadratisch, sondern leicht ostwestlich ausgerichtet.
Stadelmann deutet die Tatsache, dass die Mauer aus Lehmziegeln und nicht aus Kalkstein wie bei der Knickpyramide gebaut wurde, als Hinweis, dass sie offenbar in Eile gebaut wurde, um den Komplex fertig zu stellen. Das Nordost-Gebäude war offenbar eine spätere Ergänzung, da die Wände nicht mit der Umfassungsmauer verfugt waren.
Der Totentempel
Der Totentempel wurde weitgehend zerstört und ist nur in Form einiger rudimentären Ruinen erhalten. Im Zentrum des Tempels befand sich eine Opferstätte mit einer Scheintür. Die Magazinräume im äußeren Bereich des Tempels bestanden aus Lehmziegeln. Offenbar wurde der Totentempel erst nach Snofrus Tod in Eile fertiggestellt, worauf der Wechsel im Baumaterial von Kalkstein auf Lehmziegel hindeutet.
Der Taltempel
Bei landwirtschaftlichen Arbeiten im Frühjahr 1904 wurden die Überreste einer Einfassungsmauer aus Kalkstein mit den Maßen 100 m × 65 m entdeckt. An der Südostecke der Mauern fand sich ein eine Stele mit einem Dekret des Pharaos Pepi I. Ludwig Borchardt, der die Stele sicherte, hielt diesen Fund für die Umfassungsmauer der Pyramidenstadt. Stadelmann hält es jedoch für die Umfassung des Taltempels, da die Mauern der Pyramidenstädte (mit Ausnahme von Gizeh) aus Lehmziegeln gefertigt waren. Die gefundene Mauer von 3,65 m Stärke aus gelbem Kalkstein und aus weißer, beiderseitig geböschter Verblendung entspricht in ihrer Ausführung der typischen Sakralarchitektur. Allerdings erfolgte keine weitere Untersuchung und die Überreste liegen nun unzugänglich unter landwirtschaftlich genutztem Land.
Offene Fragen
Die Rote Pyramide wird im allgemeinen als der wahrscheinlichste Bestattungsort Snofrus angesehen, doch kann das nicht mit Sicherheit geklärt werden, da in keiner der drei Snofru zugeschriebenen Großpyramiden ein steinerner Sarkophag nachgewiesen werden konnte. Falls die Rote Pyramide das Grabmal war, ist es ebenfalls noch nicht geklärt, warum dort keine Verschlussmechanismen eingebaut waren, wie sie vor der oberen Kammer der Knickpyramide vorhanden waren.
Die in den 1950er Jahren in der Roten Pyramide gefundenen Mumienreste konnten Snofru nicht zugeordnet werden und stammten mit großer Wahrscheinlichkeit aus einem späteren Intrusivbegräbnis.
Bedeutung
Mit der Roten Pyramide war die Hochphase des Pyramidenbaus der 4. Dynastie erreicht. Die erforderlichen Techniken waren entwickelt und die auftretenden Probleme gemeistert, so dass der Weg zum Bau der Cheops-Pyramide frei war. Während die Rote Pyramide einen übervorsichtig flachen Neigungswinkel besaß, hatten die nachfolgenden Pyramiden wieder eine größere Steigung.
Amenemhet-III.-Pyramide
Dahschur-Pyramide des Amenemhet III.
Die Dahschur-Pyramide des Amenemhet III. wurde von König Amenemhet III. aus der 12. Dynastie in der ersten Hälfte seiner langen Regierungszeit gebaut. Er ließ insgesamt zwei Pyramiden bauen. Bereits im 2. Jahr seiner Regentschaft begann er mit dem Bau der Pyramide „Amenemhet ist mächtig“ in Dahschur, die zweite Pyramide entstand hingegen in Hawara im Fajum.
Details
Die Dahschur-Pyramide hatte ein Basismaß von 105 m und wäre bei einem Neigungswinkel von 57° 15´ 50" zirka 75 Meter hoch geworden, und damit die sechsthöchste der ägyptischen Pyramiden insgesamt sowie die höchste ägyptische Pyramide, die nach der Zeit des Alten Reiches erbaut wurde.
Der Kern der Pyramide besteht ganz aus Lehmziegeln ohne Stützmauern. Der Außenverkleidung bestand aus Tura-Kalkstein und ist heute verloren. Witterungs- und Umwelteinflüsse sind schuld an dem heute so skurrilen Aussehen des Bauwerks.
Substruktur der Pyramide
Die Pyramide besitzt zwei Eingänge, beide an den Südenden der Ostseite und der Westseite. Sie führen zu zahlreichen Kammern, Gängen und Treppen sowie einigen Grabkammern. Mit dieser Konstruktion ist Amenemhet III. König Djoser aus der 3. Dynastie gefolgt, denn nur seine Pyramide weist eine so komplizierte Substruktur auf.
Neben der nie benutzten Grabkammer des Königs sind wahrscheinlich zwei Pyramiden für Königinnen mit ihren Grabkammern, Konopennischen und Ka-Kapellen komplett in das Bauwerk integriert worden. Beide Königinnenkammern wurden benutzt: die westliche für die Königin Aat; der Name der anderen Königin ist verloren. Die Mumienreste der Königinnen lassen auf ein Sterbealter von 35 bzw. 25 Jahren schließen. Insgesamt sechs Bestattungen fand man in der Pyramide, darunter zwei aus der Zeit des Amenemhet IV., der nach Arnold die Pyramide wieder hat öffnen lassen.
Bereits kurz vor Fertigstellung der Pyramide wurden schwerwiegende Baumängel sichtbar, die den König zum Bau der zweiten Pyramide veranlasst haben: der Bodengrund war instabil, zu viele Räume und Korridore sowie eine mangelhafte Deckenkonstruktion ließ das Bauwerk unter das Pflaster des Hofes absacken. Durch Zedernbalken und Mauern aus Lehmziegeln wurde versucht, den Druck aufzufangen und Risse zu kaschieren.
Der Pyramidenbezirk
Der Pyramidenbezirk war in Ost-West-Richtung orientiert. Wie üblich war der Pyramide der Totentempel, Aufweg und Taltempel vorgelagert. Der Totentempel ist völlig zerstört, der Taltempel bestand aus zwei Höfen mit aufsteigenden Terrassen.
Im Norden der Außenumfassung befinden sich zehn Schachtgräber aus der 13. Dynastie. Hier wurden einhundert Jahre später König Hor und eine Prinzessin Nubhetepti-chered beigesetzt.
Erforschung
Der Pyramidenkomplex wurde von Jaques de Morgan in den Jahren 1894/95 untersucht, danach grub Dieter Arnold 1976 bis 1983 weiter im Bezirk.
Im Jahr 1900 wurde im Schutt das Pyramidion gefunden: der gute Zustand der Pyramidenspitze lässt vermuten, dass sie nie aufgesetzt wurde.
[Quelle: Wikipedia]
Dahschur-Pyramide des Amenemhet III.
Die Dahschur-Pyramide des Amenemhet III. wurde von König Amenemhet III. aus der 12. Dynastie in der ersten Hälfte seiner langen Regierungszeit gebaut. Er ließ insgesamt zwei Pyramiden bauen. Bereits im 2. Jahr seiner Regentschaft begann er mit dem Bau der Pyramide „Amenemhet ist mächtig“ in Dahschur, die zweite Pyramide entstand hingegen in Hawara im Fajum.
Details
Die Dahschur-Pyramide hatte ein Basismaß von 105 m und wäre bei einem Neigungswinkel von 57° 15´ 50" zirka 75 Meter hoch geworden, und damit die sechsthöchste der ägyptischen Pyramiden insgesamt sowie die höchste ägyptische Pyramide, die nach der Zeit des Alten Reiches erbaut wurde.
Der Kern der Pyramide besteht ganz aus Lehmziegeln ohne Stützmauern. Der Außenverkleidung bestand aus Tura-Kalkstein und ist heute verloren. Witterungs- und Umwelteinflüsse sind schuld an dem heute so skurrilen Aussehen des Bauwerks.
Substruktur der Pyramide
Die Pyramide besitzt zwei Eingänge, beide an den Südenden der Ostseite und der Westseite. Sie führen zu zahlreichen Kammern, Gängen und Treppen sowie einigen Grabkammern. Mit dieser Konstruktion ist Amenemhet III. König Djoser aus der 3. Dynastie gefolgt, denn nur seine Pyramide weist eine so komplizierte Substruktur auf.
Neben der nie benutzten Grabkammer des Königs sind wahrscheinlich zwei Pyramiden für Königinnen mit ihren Grabkammern, Konopennischen und Ka-Kapellen komplett in das Bauwerk integriert worden. Beide Königinnenkammern wurden benutzt: die westliche für die Königin Aat; der Name der anderen Königin ist verloren. Die Mumienreste der Königinnen lassen auf ein Sterbealter von 35 bzw. 25 Jahren schließen. Insgesamt sechs Bestattungen fand man in der Pyramide, darunter zwei aus der Zeit des Amenemhet IV., der nach Arnold die Pyramide wieder hat öffnen lassen.
Bereits kurz vor Fertigstellung der Pyramide wurden schwerwiegende Baumängel sichtbar, die den König zum Bau der zweiten Pyramide veranlasst haben: der Bodengrund war instabil, zu viele Räume und Korridore sowie eine mangelhafte Deckenkonstruktion ließ das Bauwerk unter das Pflaster des Hofes absacken. Durch Zedernbalken und Mauern aus Lehmziegeln wurde versucht, den Druck aufzufangen und Risse zu kaschieren.
Der Pyramidenbezirk
Der Pyramidenbezirk war in Ost-West-Richtung orientiert. Wie üblich war der Pyramide der Totentempel, Aufweg und Taltempel vorgelagert. Der Totentempel ist völlig zerstört, der Taltempel bestand aus zwei Höfen mit aufsteigenden Terrassen.
Im Norden der Außenumfassung befinden sich zehn Schachtgräber aus der 13. Dynastie. Hier wurden einhundert Jahre später König Hor und eine Prinzessin Nubhetepti-chered beigesetzt.
Erforschung
Der Pyramidenkomplex wurde von Jaques de Morgan in den Jahren 1894/95 untersucht, danach grub Dieter Arnold 1976 bis 1983 weiter im Bezirk.
Im Jahr 1900 wurde im Schutt das Pyramidion gefunden: der gute Zustand der Pyramidenspitze lässt vermuten, dass sie nie aufgesetzt wurde.
[Quelle: Wikipedia]